Tocotronic

TOCOTRONIC dto.

L`Age D`Or/Zomba V.Ö.: 10.06.2002

Von: SCHMERZKEKS 17.01.2003 / 21:55

Dr Med Dagmar Bollig beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Spagyrik und ich Affenarsch gebe mich hier mit einer Tocotronic-Review ab ? Die `Tronis`, wie sie von ihren devotesten Fans, den sogennanten Maden, genannt werden, schaffen es auf diesem Werk erneut, ihre Texte in bisher ungeahnte Höhen herabgleiten zu lassen von denen man geglaubt hat, sie wären bereits gründlich von Proto-Volksmusik-Bands wie den Toten Hosen bereist worden. Während auf dem Vorgängeralbum `Digital ist blöde, irgendwie` noch das schmerzvoll-elegische im Vordergrund stand, haben sich unsere Düsseldorfer Jungs auf der selbstbetitelten offenbar vorgenommen, mal so richtig die Sau raus zu lassen; was hier an Emotionen wie zum Bleistift *g* Langeweile, Desinteresse, Rumgammeln oder einfach nur blöde vor sich hin glotzen rübergebracht wird, ist einfach super. Der ideale Soundtrack zum zum Obi-Markt fahren um eine Flasche Pinselreiniger zu kaufen, weil man sich den Korn diesen Monat nicht mehr leisten kann. Das Album beginnt mit einem Song, von dem ich den Titel vergessen habe, endet jedoch mit einem 3-minütigen Epos darüber wie in Freiburg alles doof ist und die ganzen Ausländer und so... die Texte sind von bemerkenswerter Prägnanz, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, einfach nicht mehr hinzuhören. Frontmann und Shouter Frank Spilker hat sich auf diesem Werk erneut durch belanglose Schwafel-Lyrik verewigt, wirkt dabei jedoch noch verschlossener als auf dem Vorgänger-Album `Die Ich-Maschine`. Bisweilen wandert er in völlig unverständliches Technik-Geschwafel ab, so als würde Geordi LaForge Jürgen Fliege das Prinzip (so es eines gibt) des ShowView erklären. Oder glauben Sie an die Existenz einer Salbeitee-Maschine ???!?? irgendwann fragt man sich, wann es denn endlich losgeht, aber da ist es auch schon wieder vorbei. Verglichen mit dem Vorgängeralbum `Wir kommen irgendwie um blöde rumzunölen` ist alles gitarrenlastiger, jedoch verpasst Drummer und Keyboarder Jochen, die nötigen Akzente zu setzen und so. Ich habe Tage an dieser Review gesessen, und weil ich beim Beenden eines Satzes dessen Anfang schon wieder vergessen habe, entschloss ich mich, den Text rückwärts zu schreiben, so wie in diesem Film von David Lynch, wo dieser blonde immer rumläuft und so.

6/12